Demokratische Schulen

Die Europäische Gemeinschaft für Demokratische Bildung (EUDEC) definiert folgende Merkmale Demokratischer Schulen:

  • Die Schüler*innen haben das Recht, über ihren Lernweg und ihren Beitrag zum Schulleben zu bestimmen. Sie können frei entscheiden, was sie tun, wann, wie und mit wem, solange ihre Entscheidungen nicht die Freiheit anderer einschränken. gegebenenfalls Sanktionen erforderlich sind.

  • Die Schüler*innen können gleichberechtigt mitbestimmen, wie ihre Schule geführt wird und welche Regeln und gegebenenfalls Sanktionen erforderlich sind.

Neben dem selbstbestimmten Lernen und der gemeinsamen Entscheidungsfindung stehen an einer Demokratischen Schule die ihr zugrunde liegenden Werte im Vordergrund: Respekt, Vertrauen und Toleranz, ein wertschätzender Umgang auf Augenhöhe, Gleichberechtigung und das gemeinsame Tragen von Verantwortung bilden den Nährboden für eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung.

Das zentrale Organ einer Demokratischen Schule ist die Schulversammlung. Hier kommen die Lernbegleiter*innen und Schüler*innen in der Regel einmal wöchentlich zusammen und entscheiden gleichbereichtigt über alle Belange der Schule. Jede*r hat genau eine Stimme, egal ob Lehrkraft oder Schüler*in. Bei fast allen Demokratischen Schulen entscheidet die Mehrheit, bei einigen wenigen (meist sehr kleinen) Schulen wird ein Konsent gefunden.

Die in der Schulversammlung aufgestellten Regeln werden in einem Regelbuch festgehalten. Verstöße gegen diese Regeln sowie auch Meinungsverschiedenheiten und Konflikte, die ansonsten nicht lösbar sind, werden in einem von der Schulversammlung gewählten Gremium geklärt (bezeichnet als Klärungskreis, Lösungskreis oder Justizkomitee).

Das Leben und Lernen an einer Demokratischen Schule ist in der Regel altersgemischt. Viele Kurse werden gleichzeitig von jüngeren und älteren Schüler*innen besucht. Eine Leistungsbewertung (durch Schulnoten oder in anderer Form) findet nicht statt, es sei denn, dies wird explizit von den Lernenden gewünscht.

Weltweit gibt es mehr als 200 Demokratische Schulen, in Israel gehören einige sogar zum staatlichen Schulsystem. Eine der ältesten und wohl bekanntesten Schulen ist das 1921 gegründete englische Internat Summerhill. Ein besonders freiheitliches Konzept leben die am Modell der Sudbury Valley School in Massachusetts, USA orientierten Sudbury-Schulen. Die erste Demokratische Schule in Deutschland entstand mit der 1990 gegründeten Freien Schule Leipzig. Weitere bekannte Demokratische Schulen in Deutschland sind die Kapriole Freiburg und die von der Musikerin Nena gegründete Neue Schule Hamburg. Mittlerweile gibt es deutschlandweit rund 20 Demokratische Schulen – keine davon in Bayern.

Warum eine Demokratische Schule für München?

Die Anforderungen an Schulen haben sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Informationen sind im Zeitalter des Internets kein rares Gut mehr, sondern allzeit verfügbar. Immer wichtiger werden stattdessen vernetztes Wissen, soziale Kompetenzen, ein stabiler Selbstwert, Selbstmanagement, Kreativität und Unternehmergeist. Metropolen wie München werden zudem in den kommenden Jahren mit außerordentlich komplexen Herausforderungen in den Bereichen Energie, Ernährung, demografischer Wandel, Mobilität und alternatives Wohnen konfrontiert sein, für deren Bewältigung ein nachhaltiger Denkansatz und Demokratiefähigkeit unerlässlich sind.

Demokratische Werte, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und agile Organisationsstrukturen mit flachen Hierarchien sind essenziell für eine gelingende Zukunft.

Die Demokratische Schule München hat das Ziel, junge Menschen zu entlassen, die den Mut haben, neue, nachhaltige Wege zu gehen. Dies fördern wir auf eine in der bayerischen Bildungslandschaft bislang einzigartige Weise:

  • Demokratie wird nicht (nur) gelehrt, sondern ist tagtäglich im Schulleben verankert.

  • Partizipation wird durch die aktive Teilnahme am Schulgeschehen dauerhaft gelebt.

  • Beziehung statt Erziehung: Schüler*innen und Lernbegleiter*innen auf Augenhöhe

  • Individuelle Lernwege – ohne Leistungsdruck, Noten und Bewertungen von außen

  • Kompetenzorientiertes Lernen als Bildungsort für nachhaltige Entwicklung

  • Ständige Reflexion und Weiterentwicklung als flexible Institution, die als solche selbst beständig lernt