Häufig gestellte Fragen

Die Entscheidung für eine Demokratische Schule erfordert von Eltern und Schülern ein großes Maß an Vertrauen in das Schulkonzept. Ein alternativer Lernansatz wirft naturgemäß einige Fragen auf, da die meisten von uns in diesem Bereich nicht aus persönlicher Erfahrung sprechen können.

Wir haben die häufigsten Fragen für Sie gesammelt und erläutert, um bereits einige Unsicherheiten im Vorfeld aus dem Weg zu räumen.

Der Aufnahmeprozess neuer Schüler*innen (oder auch neuer Lernbegleiter*innen) findet – nicht zuletzt auch zum Schutz der Bewerber*innen – zunächst nicht mit der gesamten Schulversammlung statt, sondern in einem gesonderten Arbeitskreis. Die aus der Schulversammlung heraus gewählten Vertreter*innen der Schulgemeinschaft geben ihre Empfehlung an die Schulversammlung weiter. Diese stimmt nun final über den Vorschlag ab. Die Entscheidung der Schulversammlung wird dann an den Vorstand weitergegeben, der angehalten ist, diese anzunehmen, außer im Falle von Bedenken. So ist ein verantwortungsvoller und achtsamer Aufnahmeprozess gewährleistet.

Finanzielle Aufwendungen für Inklusion werden zudem budgetär prinzipiell vom Schulbudget getrennt, über das die Schulversammlung entscheidet.

Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass in den ersten zwei Schuljahren deutlich weniger Kinder mit Beeinträchtigungen an der DSM lernen werden als im späteren Dauerbetrieb. Die Anfangsphase wird geprägt sein vom schrittweisen Hineinwachsen der Schüler*innen in den Schulalltag und die neuen Herausforderungen, die eine wirklich demokratisch organisierte Gemeinschaft für sie bedeutet.

Der Schulversammlung wird zu Anfang (in dem von ihr leistbaren Umfang und mit Unterstützung der Lernbegleiter*innen) die Regelung solcher Konflikte zukommen, die unter den Beteiligten nicht selbständig lösbar waren. Sehr bald aber wird aus der Schulversammlung ein Klärungskreis hervorgehen (vgl. Konzept Kap. 4.4) und Verfahren ausgearbeitet werden, sodass auch komplexere Beschwerden verlässlich innerhalb der Schulgemeinschaft bearbeitet werden können. Ähnlich wie an der Berliner Demokratischen Schule X wird mit bis zu zwei Jahren Entwicklungszeit zu rechnen sein, bis sich die Strukturen des Rechtssystems an der DSM ausgebildet haben. Die DSX etablierte eine Rechtsversammlung aus Schüler*innen und Mitarbeiter*innen, die täglich zusammentritt und vorliegende Beschwerden bearbeitet. Konsequenzen oder Vereinbarungen werden gemeinsam abgestimmt, wobei sich deutlich zeigt, dass Schüler*innen diese sehr viel bereitwilliger von Ihresgleichen anzunehmen und zu verinnerlichen bereit sind als im regelschulüblichen tendenziell autoritären Lehrer-Schüler-Verhältnis.

Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist nicht nur in den Grundsätzen des Schulträgervereins (vgl. Satzung), sondern auch strukturell in der Schul-Organisationsform an der Demokratischen Schule München verankert.

Nachhaltigkeit wird dabei in zweifacher Weise verstanden:

Zum einen im Sinne von nachhaltigem (Kompetenz-)Lernen im Gegensatz zu anlass- bzw. prüfungsbezogener Wissensaneignung. An der Demokratischen Schule München können Schüler*innen eigenverantwortlich und aus eigener Motivation heraus Kompetenzen und Wissen erwerben. Durch dieses intrinsisch motivierte, von Freude geprägte Lernen sind Kompetenzen längerfristig abrufbar. Zudem entwickeln die Lernenden eine positive Grundhaltung, ein Leben lang offen gegenüber Lernerfahrungen zu bleiben.

Zum anderen setzen wir an der DSM die von der UNESCO formulierten Ziele einer Bildung für nachhaltige Entwicklung um: Gestaltungskompetenz mit Fokus auf Handlungs-, und Beurteilungskompetenz (vgl. Bildung für nachhaltige Entwicklung i.S.v. BNE, Konzept Kap. 2.2.4). Durch die in unserem Konzept verankerte Partizipation und den Lebensweltbezug und die durch unsere Leitlinien definierten Werte werden Lerninhalte an unserer Schule zukunfts- und werteorientiert, interdisziplinär und transformativ behandelt. Somit lernen unsere Schüler*innen Tag für Tag, zukunftsgerechte Entscheidungen und Handlungen zu treffen, diese umzusetzen und letztendlich als mündige Mitglieder der Gesellschaft zur Realisierung von Nachhaltigkeit im ökologischen, ökonomischen und sozialen Sinne beitragen zu können.

Das Schulleben wird in seiner äußeren und inneren Organisation, bzgl. seiner Lerninhalte und auch hinsichtlich der Form des Miteinanders basisdemokratisch organisiert sein. Jede*r Schüler*in wird konkret und täglich erfahren, dass er*sie das eigene und das gemeinschaftliche Leben partizipativ mitbestimmen kann. Der Umfang dessen, was an der DSM demokratisch (zumeist in der Schulversammlung, davon abgeleitet in div. Gremien) entschieden wird, geht dabei weitestdenkbar über den Rahmen hinaus, den eine herkömmliche SMV an Regelschulen verantwortet. Gleichzeitig ist der Lerneffekt dieser Prozesse als deutlich intensiver einzustufen als jeder Unterricht „über Demokratie“, weil diese Prozesse nicht nur kognitiv begriffen, sondern vor allen Dingen emotional und sozial erfahrbar werden.

Nein. Es gibt Bereiche, die prinzipiell von Veränderung durch die Schüler*innen bzw. die Schulversammlung ausgenommen sind. Dazu gehören etwa die in der Satzung festgelegten Grundsätze und die Leitlinien der Schule, gesetzliche Vorgaben wie Anwesenheitszeiten sowie bestimmte finanzielle Fragen wie beispielsweise Gehaltsfragen der angestellten Lernbegleiter*innen oder die Gesamtfinanzierung der Schule. Die Schulversammlung kann frei über das ihr zur Verfügung stehende Budget für zusätzliche Kurse, Lernmaterialien, Honorarkräfte und Projekte entscheiden. Sie entscheidet ebenso, nach Empfehlung des Aufnahme-Arbeitskreises, über die Aufnahme neuer Schüler*innen und die Einstellung von Lernbegleiter*innen und gibt die Entscheidung an den Vorstand des Trägervereins weiter. Der Vorstand handelt in der Regel gemäß der Entscheidung der Schulversammlung, kann jedoch im Falle von Bedenken auch eine andere Entscheidung treffen. Er ist für alle vertraglichen Belange und die Haushaltsplanung zuständig.

Leider gibt es bislang keine Studie aus dem deutschsprachigen Bereich. Eine kürzlich eingereichte Zulassungsarbeit fasst jedoch erstmals bestehende internationale Studien zusammen.

Darüber hinaus wird die Wissenschaftliche Begleitung der DSM künftig valide Daten zu den Münchner Erfahrungen im Kontext zu den bereits seit Jahren in ganz Deutschland bestehenden Demokratischen Schulen liefern.

Die Grundschule wird im ersten Jahr mit rund 30 Schüler*innen starten und auf etwa 50 anwachsen. Zusammen mit der Mittelschule, die sich organisch aus der Grundschule heraus entwickeln soll („mitwachsen“), soll die endgültige Schülerzahl rund 80 betragen.

Nein. Abschlüsse werden extern abgelegt. Die Lernbegleiter*innen der DSM helfen aber gezielt bei der Vorbereitung, wobei die Motivation dafür jedoch immer von den Lernenden selbst ausgeht.

Grundsätzlich bringt jedes Kind die Voraussetzungen für erfolgreiches Freies Lernen mit. In der Praxis aber wird die Umsetzung enorm erschwert, wenn in Elternhaus und/oder zuvor besuchten pädagogischen Einrichtungen ein dem Selbstverständnis der DSM stark entgegengesetztes (also ein deutlich hierarchisch geprägtes) Lernverständnis gelebt und vermittelt wurde. Auf diesen Umstand wird die DSM insbesondere in der Anfangszeit bei der Familienauswahl besondere Rücksicht nehmen.

In der Anfangsphase sind (quereinsteigende) Schüler*innen in der Regel begeistert von der neuen Freiheit und kosten sie ausgiebig aus. Auf diese Phase folgt erfahrungsgemäß eine für Kinder und Eltern herausfordernde Zeit, in der die Kinder sich verloren fühlen und das Gefühl haben, sich zu langweilen. Manche lassen sich treiben, ohne sich für irgendetwas Spezielles zu interessieren, manche versuchen, der inneren Leere durch Regelverstöße zu entfliehen. Diese Übergangsphase kann von einigen Wochen bis zu einigen Monaten andauern. Die Kinder, die in ihr gewachsen sind, gehen jedoch gereift und gestärkt aus dieser Zeit hervor. Das ist der Moment, in dem Demokratische Schulen ihr wahres Potenzial offenbaren. Dass im Anschluss an diese Phase eine „Verweigerung“ stattfindet, ist äußerst unwahrscheinlich (deutlich unwahrscheinlicher, als es ganz generell an Regelschulen zu erwarten ist) – es würde und müsste eine eingehende Ursachenforschung seitens Eltern und Lernbegleiter*innen stattfinden.

Ja. Es gibt das individuelle Arbeitsportfolio, das Kursportfolio, es gibt Präsentationen und Elterngespräche. In der 3. Jahrgangsstufe ist VERA-3 für alle Schüler*innen vorgesehen, zum Ende der 4. Jahrgangsstufe die verpflichtende Vorbereitung auf den Probeunterricht für diejenigen, die einen Wechsel planen. Darüber hinaus wird bei der Wissenschaftlichen Begleitung der DSM von Beginn an besonderer Wert auf die Untersuchung der Vergleichbarkeit der Fähigkeiten zwischen DSM und Regelschulen gelegt.

Siehe Anhang I unsere Pädagogischen Konzepts „Beispielwoche einer Schülerin an der Demokratischen Schule München“.

Die Gründer*innen der DSM setzen sich zu einem hohen Anteil aus Pädagog*innen zusammen, daneben Wissenschaftler*innen und ganz generell Menschen, die sich für die nachkommenden Generationen ein Lernumfeld wünschen, das durch Freude, Vertrauen, Gemeinschaft und Freiheit geprägt ist. Die DSM spricht sich ausdrücklich gegen jede Form von Diskriminierung aus, versteht sich ausdrücklich als weltanschaulich neutral (siehe § 3, Abschnitt c der Vereinssatzung) und sieht sich umfänglicher Verfassungskonformität verpflichtet. Jedes Vereinsmitglied unterschreibt mit Vereinsbeitritt eine entsprechende Erklärung.

Die Entwicklungsforschung zeigt: Wer auf der einen Seite genügend Raum hat, sich als selbstwirksam zu erleben, hat auf der anderen Seite keine Schwierigkeiten, sich einzuordnen, schon allein, weil keine Zugehörigkeit ohne Einordnung erlebt werden kann. Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit gehören für eine gesunde (Lern-)Entwicklung möglichst in gleichem Maße zusammen. Diese Ausgewogenheit wird an Demokratischen Schulen deutlich stabiler geboten und gelebt als an Regelschulen.

Wenn Schüler*innen Demokratischer Schulen Interesse für einen bestimmten Beruf entwickeln, werden sie sich erfahrungsgemäß ohne Probleme den zur Ausübung dieses Berufs erforderlichen Lehrstoff aneignen und die damit einhergehenden weiteren Anforderungen akzeptieren. Dieses Prinzip setzt sich außerhalb der Schule fort. Besonders zu beobachten ist dabei, dass Absolvent*innen Demokratischer Schulen deutlich häufiger Rahmenbedingungen mitzugestalten bereit sind oder sich selbständig machen.

Die sehr verstreut (und aus internationalen Kontexten) vorliegenden Studien wurden jüngst in einer Zulassungsarbeit zusammengefasst (Geller, Karl Valentin: Geschichte der Demokratischen Schule, Schriftliche Hausarbeit zur 1ten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien, eingereicht an der Universität Augsburg, Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik, S. 190f.), aus der hier ausschnitthaft zitiert werden soll:

„(…) dass folgende Aussagen für einen durchschnittlichen Alumni der Demokratischen Schulen Sudbury Valley, Summerhill und The Circle School eine hohe Wahrscheinlichkeit besitzen:
(…) Die Zeit an der Schule half ihm ein hohes Selbstbewusstsein zu entwickeln, Probleme zu überwinden und ein positives Verhältnis zum Lernen zu entwickeln. Er hat kein Problem im Umgang mit Autoritäten. Er fühlt sich sozial kompetent und geht zeitintensiv seinen Interessen nach. Die häufig auch mit seinem Beruf oder Studium zusammenhängen. Er ist sehr froh, auf die Schule und nicht eine andere Schule gegangen zu sein. Auch die Eltern teilen diese Meinung. Er macht einen Abschluss, kommt aber auch ohne Abschluss gut im (Berufs)leben und Studium zurecht. Er ist glücklich an der Schule. Er ist allgemein glücklich im Leben. Ein hohes Gehalt ist ihm nicht so wichtig im Beruf. Die Wahrscheinlichkeit eines Studiums ist hoch und er fühlt sich in Hinblick auf seine motivationale Einstellung seinen Kommilitonen überlegen. Wenn er dieses abbricht, dann nicht aufgrund akademischer Probleme. Dennoch hat er am Anfang mit akademischen Problemen zu kämpfen. Wenn er nicht studiert, dann weil er keinen Sinn im Studium für sein weiteres Leben oder seine beruflichen Ziele erkennen kann. Der Einfluss auf das Studium ist insgesamt positiv, nicht unbedingt in Hinblick auf die gelernten Inhalte (hier teilweise negativ), sondern vor allem auf Grund eines positiven Bezugs zum Lernen, Neugier und einer zuvor entwickelten stabilen Persönlichkeit. Alumni Demokratischer Schulen arbeiten deutlich wahrscheinlicher als der gesellschaftliche Durchschnitt freiberuflich (…). Dennoch sind sie in allen Berufsfeldern vertreten, auffällig häufig darunter in einem kreativen selbstorganisierten Umfeld. Sie sind im Allgemeinen zufrieden mit ihrem Gehalt und ihrem Beruf. Den Einfluss der Demokratischen Schule bewerten sie im Allgemeinen positiv für ihre Karriere. Rückblickend betrachtet sind die Alumni froh auf die Demokratische Schule und nicht auf eine andere Schule gegangen zu sein.“