Häufige Fragen

Die Entscheidung für eine demokratische Schule muss wohlüberlegt sein, denn sie erfordert von Eltern und Schülern ein großes Maß an Vertrauen in das Schulkonzept. Ein alternativer Lernansatz wirft naturgemäß einige Fragen auf, da die meisten von uns in diesem Bereich nicht aus persönlicher Erfahrung sprechen können.

Wir haben die häufigsten Fragen für Sie gesammelt und aus unserer Sicht erläutert, um bereits einige Unsicherheiten im Vorfeld aus dem Weg zu räumen.

 

Louis Werken_1

 

Ist selbstbestimmtes Lernen die richtige Lernform für jedes Kind?

In der Demokratischen Schule München herrscht absolute Lernfreiheit. Die Schüler erhalten die Zeit und den Raum, um ihren Leidenschaften auf die Spur und in Kontakt mit ihrem ureigenen Potenzial zu kommen. Diese Freiheit geht mit einem großen Maß an Verantwortung einher und ist nicht sofort für jedes Kind das geeignete Entfaltungsumfeld. Manche Kinder benötigen Zeit, um in diese Verantwortung hineinzuwachsen. Unserer Erfahrung nach lohnt es sich jedoch für jeden Menschen, ihm diese Zeit zu gewähren. Alle, die sich für eine demokratische Schule entscheiden, sollten sich dessen bewusst sein. Die Entscheidung muss aus tiefstem Herzen kommen und voll und ganz vom Schüler ebenso wie den Eltern befürwortet werden.

 

Was, wenn mein Kind den ganzen Tag lang nur spielt?

Spielen ist ein Kernbedürfnis eines jeden Menschen und nicht umsonst fest in unserer Natur verankert. Schon in Jäger-Sammler-Zeiten lernten Kinder durch Beobachtung der Erwachsenen und spielerisches Einüben dessen, was später in der Gesellschaft von ihnen gefordert würde. Derselbe Lerninstinkt ist auch heute noch tief in unserer Natur verankert und lässt sich wunderbar an kleinen Kindern beobachten. Um es mit Manfred Spitzer zu sagen: „Es ist ein verbreiteter Unfug zu glauben, man könnte (oder noch schlimmer: sollte) seine Zeit einteilen in Perioden des Lernens und Perioden der Freizeit. Hier spielt uns das Gehirn ganz einfach einen Streich:  Es lernt sowieso immer!“ (Manfred Spitzer, Lernen – Gehirnschule und die Schule des Lebens)

Auf Basis dieses Hintergrunds steht für uns Spielen nicht im Gegensatz zum Lernen, ganz im Gegenteil – es ist ein wichtiger Bestandteil des Lernens! An einer Sudbury-Schule lernen Kinder weitgehend beiläufig als Nebeneffekt des selbstbestimmten Spielens. „Viele der Jüngsten lernen dort Lesen, weil sie bei Spielen mitmachen möchten, in denen es um geschriebene Wörter geht. Sie lernen zu lesen, ohne dass sie sich dessen überhaupt bewusst sind“, so der Psychologe Prof. Peter Gray, der über viele Jahre hinweg Studien an der weltweit ersten Sudbury-Schule in Framingham, Massachusetts betrieb.

 

Müssen die Kinder nicht an verschiedene Lerninhalte gezielt herangeführt werden?

Dem Sudbury-Modell liegt die Überzeugung zugrunde, dass der Mensch schon als Kind wie ein Samenkorn sein ureigenes Potenzial in sich trägt. Jeder, der Säuglinge und Kleinkinder beobachtet, kann bestätigen: Sie sind allesamt Forscher und Entdecker!

Eine Sudbury-Schule sieht es nicht als ihre Aufgabe, die Schüler aktiv mit bestimmten Themen in Berührung zu bringen. Sie erhalten jedoch eine Vielfalt an Eindrücken und Inspirationen durch den täglichen Umgang miteinander, die gängigen Medien sowie die aktive Teilnahme an der Schulgemeinschaft. Manche dieser Eindrücke ziehen an ihnen vorüber, ohne dass ein großes Interesse geweckt wird – andere jedoch machen Hunger auf mehr. Ist dieser Funke einmal entfacht, ist die beste Basis für nachhaltiges Lernen gelegt.

Begeisterung ist Doping für Geist und Hirn”, erklärt der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther, und ergänzt auf die Frage hin, wie man denn Begeisterung am besten entfacht: „Das Schlüsselwort zur Beantwortung dieser Frage heißt: Bedeutsamkeit. Damit wir uns für etwas begeistern, muss es bedeutsam für uns selbst sein!” Und die Themen, die für einen Schüler gerade bedeutsam sind, werden einzig und allein durch seinen persönlichen Lebensweg bestimmt. So werden sich ihm im Laufe seines Lebens all die Dinge erschließen, die für ihn persönlich wichtig sind. An einer Sudbury-Schule erhält jeder Schüler den Raum und gleichzeitig auch die Verantwortung, das ihm innewohnende Potenzial zur Entfaltung zu bringen.

 

Wird den Kindern bei so viel Freizeit nicht langweilig?

Es ist in der Tat eine große Herausforderung für die meisten Kinder, vor allem für jene, die von Regelschulen auf eine Sudbury-Schule wechseln, ihrem Tag eigenverantwortlich Struktur zu verleihen. In der Anfangsphase sind die Schüler in der Regel begeistert von der neuen Freiheit und kosten sie ausgiebig aus. Auf diese Phase folgt erfahrungsgemäß eine für Kinder und Eltern gleichermaßen herausfordernde Zeit, in der die Kinder sich verloren fühlen und das Gefühl haben, sich zu langweilen. Manche lassen sich treiben, ohne sich für irgendetwas Spezielles zu interessieren, manche versuchen, der inneren Leere durch Regelverstöße zu entfliehen. Diese Übergangsphase kann von einigen Wochen bis zu einigen Monaten andauern. Die Kinder, die in ihr gewachsen sind, gehen jedoch als reifere und gestärkte Menschen aus dieser Zeit hervor. Sie haben den Kontakt zu sich selbst wiedergefunden und können die ihnen innewohnende Fülle und die Wunder des Lebens in vollen Zügen entdecken. Das ist der Moment, in dem Sudbury-Schulen ihr wahres Potenzial offenbaren.

 

Haben die Kinder nach Verlassen der Schule einen anerkannten Schulabschluss?

Die Demokratische Schule München ist eine Grund- und Mittelschule. Die Mitarbeiter bestehen aus zwei Lehrkräften mit zweitem Staatsexamen, die einen umfangreichen Fächerkanon abdecken, ergänzt von weiteren Lernbegleitern, die die Schulgemeinschaft durch anderweitige Fähigkeiten und Fertigkeiten bereichern. Nach Abschluss der 9. Jahrgangsstufe haben die Kinder die Möglichkeit, extern einen Regel-Schulabschluss abzulegen (Mittel-, Realschule oder Abitur), und werden auf Wunsch von den Mitarbeitern bei den Vorbereitungen unterstützt. Die Mitarbeiter stehen den Schülern ebenfalls bei der Auswahl geeigneter weiterführender Schulen oder Bildungswege zur Seite. Auch in Deutschland ist es übrigens möglich, ohne Abitur zu studieren (Näheres unter http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/laender/bayern), weiterhin gibt es bereits freie Uni-Experimente.

 

Finden Absolventen einer demokratischen Schule sich auch im „wirklichen Leben“ zurecht?

Die klare Antwort ist: auf jeden Fall! Der große Vorteil von Sudbury-Schülern ist, dass sie ganz genau wissen, was sie wollen und wie sie vorgehen müssen, um ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Dies haben sie schließlich bereits ihr ganzes Schulleben lang praktiziert. Orientierungslose Schüler, die nach ihrem Schulabschluss nicht wissen, was sie glücklich macht, wird man unter Sudbury-Absolventen nicht finden.

Zwar gibt es in Deutschland noch keine Studien über Absolventen einer Sudbury-Schule oder vergleichbaren demokratischen Schulen, doch international lässt sich beobachten, dass Sudbury-Absolventen ihr Leben nach ihrem Schulabschluss selbstbewusst und erfolgreich in die Hand nehmen. Viele studieren am College oder an der Universität, andere entscheiden sich je nach ihren Interessen für die verschiedensten Berufszweige.

Auf ihr Leben als Bürger unserer Gesellschaft sind Absolventen einer demokratischen Schule ohnehin bestens vorbereitet. Aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrungen mit gelebter Demokratie bringen sie sich aktiv in die Gesellschaft ein und bereichern sie mit ihren Ideen und Werten.